Deutschland profitiert vom Euro?
Dienstag 24. Januar 2012 von H.P.
Oha! Denn er beschert uns Wachstum. Ooh – akrobat schööön – hieß es einst! Ja, wie schön und laut und oft tönt uns das von Regierung und allen Medien entgegen. Na, Gottseidank – ich dachte schon, daß wir die Hunderte von Milliarden, die wir an notleidende Banken und Staaten ausreichen, auch irgendwann bezahlen müßten. Ach ich Dummerle! Das steht doch blos auf dem Papier. In Wahrheit sind’s alles gut verzinste Außenstände, die bestimmt pünktlich zurückgezahlt werden. Das haben uns doch alle Verantwortlichen stets beteuert. Da hab ich sogar Kohl und Waigel noch von damals so im Ohr. Der Euro ist sicher – genau wie seinerzeit Blüm’s Rente – stimmt’s? Na gut – aber wollen wir uns mal die Fakten ansehn? Eine gute Meßlatte könnte
das Wirtschaftswachstum von 2001 bis 2010 sein.
Und zwar als 10-Jahres-Bilanz von der OECD erstellt, also der seriösen, neutralen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Sie erhebt von 38 wirtschaftlich bedeutenden Staaten das Bruttoinlandsprodukt BIP und zwar inflationsbereinigt. Zum besseren Vergleich als Einkommen pro Kopf der Bevölkerung. Da liegt Deutschland mit 33.400 $ Jahreseinkommen an elfter Stelle der Rangliste, die von Luxemburg angeführt wird. Gegenüber 2010 haben wir dabei Belgien überholt. Die Euro-Länder haben insgesamt e i n e n Platz verloren – demgegenüber die gesamte EU sich im Schnitt um z w e i Plätze verbessern konnte in diesen 10 Jahren!
Also war der Euro eine Wachstumsbremse!
Vor der Euro-Einführung lagen die Euro-Länder noch ü b e r dem OECD-Durchschnitt, heute liegen wir u n t e r ihm! Also dem Durchschnitt – und wohl auch unter dem Euro – symbolisch. Wir sind also ärmer dran als früher zu DM-Zeiten, liebe Landsleute. Na, Möönsch – sagen da sicher gleich die Meisten von ihnen – dazu hätte es keine teure Statistik gebraucht. D a s merke ich doch täglich beim Einkaufen!
Fazit auf gut Deutsch: die EU-Länder o h n e Euro haben also einen richtigen wirtschaftlichen Sprung gemacht – und diejenigen m i t dieser Superwährung sind als Bettvorleger gelandet. Bauchklatscher nennt man das am Sprungturm und das kann richtig wehtun.
Denn auch beim Wirtschaftswachstum sieht’s nicht besser aus:
Wir stehen nur an 22. Stelle aller OECD-Länder. Wobei die EU insgesamt durchschnittlich 1 Prozent Wachstum über die 10 Jahre hinweg schaffte. Allerdings sehen die Euro-Länder auch wieder mit durchschnittlich nur 0,7 Prozent ein ganzes Stück älter aus. Manche sogar uralt – wie der berühmte Weinbrand – nämlich Italien, das über diese zehn Jahre sogar um 2,1 Prozent geschrumpft ist. Na gut, dafür kriegen sie wohl demnächst richtig Kohle von uns – sozusagen als Trostpflaster. Denn Deutschland pflastert alles, vielleicht bald sogar seine Schlaglöcher – mit den Steinen, die sie zum Dank nach uns schmeißen. Dafür sind wir ja berühmt: Wir machen aus allem was! Da fällt mir ein: Wie wär’s, wenn wir Italien die Milliarden gleich schenken würden und
dafür im Gegenzug Südtirol wieder ans übrige Tirol anschließen?
Das wär doch dann mal ein Batzen von Stein, den man gerne wieder zwischen die übrigen einbauen würde, oder? Was meint ihr? Die Stadt Dresden hatte doch auch einst seine Wohnungen verkauft und wurde so schuldenfrei. Und mit den Prinzen möchte ich anfügen: Es war ja eh alles nur geklaut! Sozusagen heiße Hehlerware. Das wär doch mal ‘ne schöne Geldwäsche und auch e i n m a l ein bißchen Freude über den Euro -stimmt’s?
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